Digitalfunk geknackt?
Diese Frage tat sich auf, als wir den Artikel unten gelesen hatten. Inzwischen gab es aber Fortschritte und uns wurde erklärt, dass hier von zwei verschiedenen technischen Details gesprochen wird.
So ist in dem u.g. Artikel die Rede von der "Luftschnittstellenverschlüsselung". Diese ist tatsächlich abhörbar.
Jedoch gibt es bei der Polizei eine End to End Verschlüsselung, sodass hier ein Abhören nicht zu befürchten ist.
Deine JUNGE GRUPPE
digitaler BOS Funk Tetra
NEUE POLIZEITECHNIK - Digitalfunk abhörbar?
Zu einem Artikel in Nr. 25/2006 der Zeitschrift „Wirtschaftswoche“ (Wiwo) hat im Juni die Projektgruppe Digitalfunk des Landes Sachsen-Anhalt Stellung genommen.
Unter der Überschrift „Sicherheitslücken trotz Digitalisierung?“ berichtete das Blatt, Experten würden vor Sicherheitslücken beim Digitalfunk warnen. Bisher sei dieser von den Innenministern als abhörsicher gepriesen worden. Als Beweis wurden der inzwischen beendete Feldversuch im Raum Aachen und „die von der Fifa für die Sicherung der WM-Stadien installierten sowie die während der WM für die Polizei in Hamburg und in Leipzig betriebenen Digitalnetze“ angeführt.
Projektgruppe: „...nichts Neues"
Die Projektgruppe Digitalfunk bemerkt zu diesen Vorwürfen:
„Dass der Digitalfunk abhörbar ist, ist nichts Neues. Entsprechende Scanner werden von der Industrie schon seit geraumer Zeit hergestellt. Im Pilotprojekt Aachen wurde die Luftschnittstellenverschlüsselung abgeschaltet, weil zum damaligen Zeitpunkt die eingesetzten Endgeräte der verschiedenen Hersteller keinen gemeinsamen Verschlüsselungsalgorithmus beherrschten. Mittlerweile hat sich dies aber geändert. In den im Artikel angeführten Netzen in Hamburg und Leipzig anlässlich der Fußball-WM wurde die Luftschnittstellenverschlüsselung nicht mit eingekauft."
Als „Luftschnittstelle“ bezeichnet man im Mobilfunk die Gesamtheit aller übertragungsrelevanten Parameter auf physikalischer Ebene, d.h. die Standard-Schnittstelle für die Übertragung über das Medium Luft.
Interessant ist auch ein Beitrag zu diesem Thema, der im renommierten Internetdienst Heise online zu finden war.
Andere Sorgen in Holland:
Denn in unserem Nachbarland Holland hat man beim Digitalfunk für die Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) andere Sorgen: „Während der Wiwo-Bericht keine Details dazu nennt, wie der TETRA1-Funk der deutschen BOS abgehört worden sein soll, beklagt die niederländische Journalistenvereinigung NVJ, dass es mit der Einführung eines C2000 getauften landesweiten TETRA-Netzes unmöglich für die Presse geworden sei, die Kommunikation der Sicherheitskräfte zu verfolgen und sieht dadurch die Stellung der Medien als „vierte Gewalt“ im Staate gefährdet. Zwar hat das niederländische Innenministerium signalisiert, den Medien Mithörmöglichkeiten einzuräumen, doch kritisierte der NVJ zuletzt im Frühjahr in einer Presseerklärung das Verhalten des Innenministeriums, das die Forderung der Journalisten offenbar auf die lange Bank schieben will."
Unterdessen scheint es weitere Hemmnisse bei der Einführung des digitalen Polizeifunks in Deutschland zu geben. Wie DER SPIEGEL in seiner Ausgabe 27/2006 berichtet, werde duch eine Klage, die der US-Konzern Motorala eingereicht habe, mit einem halben Jahr Verzögerung gerechnet. Motorola war bei der Auftragsvergabe schon in der Vorrunde ausgeschieden, da das Beschaffungsamt des Bundesinnenministeriums allein nach Prüfung der schriftlichen Unterlagen dem Luft- und Rumfahrtkonzern EADS den Vorzug gegeben hatte. Das digitale Polizeifunknetz soll in Deutschland spätestens 2010 in Betrieb gehen.
(1 TETRA = Terristrial Trunked Radio)
Lothar Jeschke
(Quelle: GdP Sachsen-Anhalt)